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Weiße Gehörnte Heidschnucken
von der Schnuckenschäferei Böving

Rassebeschreibung

Die Weiße Gehörnte Heidschnucke, die Weiße Hornlose Heidschnucke und die derzeit nicht mehr so sehr gefährdete Graue Gehörnte Heidschnucke bilden zusammen die Gruppe der Schnucken. Die weiße gehörnte und die weiße hornlose Heidschnucke sind aus der grauen Heidschnucke entstanden.

Die Schnucken gehören zu den ältesten Schafrassen in Mitteleuropa. Sie sind ausgesprochen genügsame Tiere, die man schon seit Zeiten auf kargen Böden und Heideflächen hielt und die es schafften, von dem dort wachsenden Nahrungsangebot zu leben.


Noch Anfang des 19.Jahrh. kamen weiße Schnucken scheinbar nur in Ausnahmefällen vor. Die Rede ist um diese Zeit immer von den Grauen Heidschnucken. Im Laufe der 1.Hälfte des Jahrhunderts ändert sich dieses doch schnell. Erst tauchen "vereinzelt weiße" auf, bis in den 1870er Jahren gar von weißen Schnucken-Zuchten die Rede ist. Ebenso verhält es sich mit "gehörnt" und "hornlos". Um 1800 spricht man ausschließlich von gehörnten Tieren. Wenig später heißt es "gewöhnlich gehörnt".

Ab 1900 werden dann die graue und die weiße Heidschnucke als zwei Rassen betrachtet. Bei den Weißen scheint man noch nicht unterschieden zu haben, ob sie gehörnt oder ungehörnt war, obwohl in einigen Zuchten sehr wohl auf dieses Merkmal selektiert wurde. Ab 1920 wird dann aber die Weiße Hornlose Heidschnucke im Verband der Schafzuchtvereine/Stade als eigene Gruppe genannt.

Nach dem 1.Weltkrieg ergibt eine Viehzählung ca. 60.000 graue Schnucken und ca.110.000 weiße Schnucken. Hier dürften die gehörnten Tiere mitgezählt sein. Extra erwähnt und als Zuchtpopulation angesehen werden sie erst nach dem 2.Weltkrieg.

Die Zucht der Heidschnucken machte in den vergangenen 200 Jahren enorme Fortschritte. So konnte das Gewicht der Tiere von damals 25kg auf heute 45kg fast verdoppelt werden, was mit Sicherheit aber auch auf die bessere Futterqualität (mehr Weide, weniger Heide/Moor) im Laufe der Zeit zurück zu führen ist. Die Zucht auf höhere Gewichte scheint aber das Höchstmaß erreicht zu haben, wenn man eine Schnucke im genügsamen Typ erhalten möchte. Diese hohen Gewichte sind halt nicht mit reiner "Ödland"-Bewirtschaftung zu erreichen. So wird z.B. gesagt, dass Schnucken, die auf fetten Weiden gross geworden sind, auf einer Heidefläche verhungern würden.

Die Weiße hornlose Rasse wurde mit Vorliebe in moorreichen Gegenden gehalten. Ob sie sich von je her durch ihre Trittsicherheit im Moor ausgezeichnet haben oder ob dies erst heraus selektiert wurde, sei dahin gestellt. Daher kommt auch der heute oft gebräuchliche Name "Moorschnucke". Diese Spezialisierung sichert ihr heute ihre "Existenzberechtigung". Sie wird bevorzugt zur Landschaftspflege in Moor- und Feuchtgebieten eingesetzt. Auch für diese "Arbeit" ist eine weitere Gewichtssteigerung nicht angeraten.

Die Weiße Gehörnte Heidschnucke fristet noch immer ein Schattendasein. Ihr sagt man auch nach, dass sie ein weing anspruchsvoller an das Futterangebot sei als z.B. die Graue Heidschnucke. Auch sie wird heute vornehmlich in der Landschaftspflege eingesetzt.

Die Schnucken haben eine ziemlich grobe Wolle, die sich nicht unbedingt für Kleidungszwecke eignet. Wie bei allen heimischen Schafrassen müssen hier Ideen und Phantasie entwickelt werden, um diese Wolle sinnvoll zu vermarkten.

Das Schaf ist genetisch zu Mehrlingsgeburten befähigt und in der Lage mehrere Lämmer aufzuziehen, was allerdings in der Vergangenheit unerwünscht war, weil die futtertechnischen Voraussetzungen die optimale Aufzucht von mehr als einem Lamm nicht zuließ. So wurde der schwächere Mehrling fürher oft gleich nach der Geburt getötet. Heute, da die Voraussetzungen sich geändert haben, freuen wir uns über jedes gesunde Lamm. 

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VIEH Vielfältige Initiative zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen